… Canikuning …

18th Jun 2009



Von Tosari aus trampten wir zurück nach Pasrepan. Hier nahmen wir den Bus nach Pasuruan und stiegen dort in den Zug nach Banyuwangi. In Banyuwangi gingen wir auf die Fähre und eine halbe Stunde Später erreichten wir endlich – die langersehnte „Insel der Götter“ – Bali! In Gilimanuk verbrachten wir eine Nacht in einem netten Hotel und am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg nach Canikuning (1280 Meter). In Lovina verabschiedeten wir uns noch von Sebastian und so gegen 14:00 erreichten wir unser Ziel. Hier werden wir wohl ein paar Tage bleiben. Heute schauen wir uns den Botanischen Garten an und Morgen besteigen wir wahrscheinlich den Gunung Catur (2096 Meter). Von dessen Gipfel hat man bestimmt einen wunderschönen Ausblick auf den Danau Bratan (See) und auf den berühmten „Pura Ulun“ Tempel…

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… Tosari …

16th Jun 2009



… von Yogyakarta aus fuhren wir mit dem Zug, über Surabaya, nach Pasuruan. Die Fahrt war super. Wir fuhren durch eine wundervolle Bergkette mit wunderschönen Reisterrassen. Die 10 Stunden vergingen mal wieder wie im Flug… In Pasuruan stiegen wir in einen kleinen Bus nach Pasrepan, in dem wir uns – für eine Stunde – zu neunzehnt 10 Sitzplätze teilten, um. Dort angekommen ging das Theater los. Der Fahrer verlangte einen anderen Preis als abgemacht war und in den 5 Minuten die wir das ausdiskutierten, versammelte sich mal wieder das halbe Dorf um uns. Es hatte also jeder mitbekommen, dass wir weiter müssen. Der Fahrer des ersten Busses sorgte dafür, dass uns die nächsten Busse nicht mitnahmen und ungefähr 10 Dorfbewohner versuchten uns ein total überteuertes Taxi zu verkaufen, „da man bei Dunkelheit ja doppelt so viel Sprit verbraucht und auch dreimal so lange braucht“! Nach ca. einer Stunde stoppte dann ein netter Mann und nahm uns auf seiner Ladefläche mit. Endlich in Tosari angekommen, wurden wir natürlich erst der Familie vorgestellt und mit Tee und Keksen versorgt. Während wir Tee tranken, fuhr der Sohn der Familie los und besorgte uns ein Hotel in das sie uns später auch brachten. Die Nacht war eiskalt, da Tosari auf 1600 Metern liegt. Den nächsten Tag spazierten wir (ca. 17Km) durch die wunderschöne Berglandschaft. Wir fanden einen kleinen Tempel und Stoppten zwischendurch bei ein paar kleinen Buden, um dort etwas zu essen. Das Bergvolk dort ist sehr fleißig. Sie leben vom Gemüseanbau (z.B. Kartoffel, Lauch, Kohl und Bohnen), welchen sie auf sehr steilen Hängen und ohne Maschinen betreiben. Den Rückweg bewältigten wir wieder auf der Ladefläche eines Pickups, den wir uns mit 10 Einheimischen teilten. Am nächsten Morgen standen wir um 4 Uhr auf und um 5 Uhr starteten wir unsere Tour. Vor uns lagen 32Km und 1170 Höhenmeter. Unser Ziel war der Gunung Penanjakan (2770 Meter). Nach 12 Km (davon fuhren wir 2 mit einem Bauern mit) erreichten wir gegen 07:15 Uhr endlich die Aussichtsplattform. Es war all die Mühen wert! Zu unseren Füßen lagen der Gunung Batok, der berühmte Gunung Bromo (2392 Meter) und der Gunung Kuris. Zusammen stehen sie in einem riesigen Krater, umgeben vom „Sea of Sand“ (einer Sandwüste). Im Hintergrund türmt sich der Gunung Semeru, der höchste Berg Javas mit 3676 Metern. Nach ca. einer Stunde machten wir uns weiter auf den Weg in Richtung Gipfel. Die letzten 4 Km wurden wir immer wieder mit einer schönen Aussicht auf die Vulkane belohnt. Vom Gipfel aus konnte man wunderschön in den rauchenden Krater des Gunung Bromo hinein schauen. So gegen 9:30 Uhr traten wir den Rückweg an und so gegen 12:00 Uhr erreichten wir unser Hotel. Am nächsten Morgen (6:00 Uhr) ging es weiter nach Bali…

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… Prambanan …

12th Jun 2009



Prambanan ist die größte hinduistische Tempelanlage Indonesiens und befindet sich etwa 18 km östlich von Yogyakarta auf der Insel Java. Errichtet wurde Prambanan um das Jahr 850, entweder unter Rakai Pikatan, einem König von Mataram, oder unter Balitung Maha Sambu während der Sanjaya-Dynastie. Schon bald nach seiner Fertigstellung wurde der Tempel verlassen und begann zu verfallen.

Der Wiederaufbau des Komplexes begann 1918 und ist noch nicht abgeschlossen. Das Hauptgebäude wurde erst 1953 fertiggestellt. Vor allem das Wiederauffinden und die korrekte Zuweisung des ursprünglichen Baumaterials bereitet Probleme, da oftmals Material an weit entfernten Bauten wiederverwendet wurde. So werden nur Gebäude wiederaufgebaut, von denen mindestens 75 Prozent der ursprünglichen Steine vorliegen, und von vielen der kleineren Schreine kann man immer noch nicht viel mehr als die Grundmauern sehen.

Die Anlage ist einer der größten hinduistischen Tempel in Südostasien. Sie wurde 1991 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Charakteristisch ist die hohe und spitze Bauform, die typisch für hinduistische Tempel ist, sowie die strenge Anordnung zahlreicher Einzeltempel um das 47 m hohe Hauptgebäude in der Mitte.

Die Anlage setzt sich aus acht Hauptschreinen oder -tempeln zusammen, sowie mehr als 250 Einzeltempeln, die die Hauptschreine umgeben. Die drei größten Schreine, Trisakti („drei heilige Orte“) genannt, sind den drei Göttern Shiva dem Zerstörer, Vishnu dem Bewahrer, und Brahma dem Schöpfer geweiht. Das entspricht der Grundstruktur der Trimurti – der Hindu-Göttertrinität -, die sich in vielen hinduistischen Tempelanlagen, auch in Indonesien (z. B.: Besakih in Bali), wiederfindet.

Im Umkreis von wenigen Kilometern vom Prambanan-Tempel befinden sich noch weitere hinduistische Tempel, die aber größtenteils nicht rekonstruiert wurden.

Durch ein starkes Erdbeben am 27. Mai 2006 wurde die Tempelanlage schwer beschädigt. Um das genaue Ausmaß der Schäden zu erfassen, wurde die Anlage für einige Wochen geschlossen und es wurden schwere strukturelle Schäden an den Candi Brahma, Vishnu und Garuda festgestellt. Seit Juli 2006 laufen die Renovierungsarbeiten, wie genau die strukturellen Schäden an den genannten Candi behoben werden ist noch offen, zur Diskussion steht unter anderem auch ein kompletter Neuaufbau. Seit August 2006 ist Prambanan wieder für Besucher geöffnet, allerdings dürfen die Schreine nicht betreten werden, da noch immer Einsturz- und Steinschlaggefahr bestehen.

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… Borobudur …

12th Jun 2009



Borobudur (auch Borobodur) ist eine der größten buddhistischen Tempelanlagen Südostasiens. Die kolossale Pyramide befindet sich 40 Kilometer nordwestlich von Yogyakarta auf der Insel Java in Indonesien.

Gebaut wurde die Stupa vermutlich zwischen 750 und 850 während der Herrschaft der Sailendra-Dynastie. Als sich das Machtzentrum Javas im 10. und 11. Jahrhundert nach Osten verlagerte (vielleicht auch in Verbindung mit dem Ausbruch des Merapi 1006), geriet die Anlage in Vergessenheit und wurde von vulkanischer Asche und der Vegetation begraben. 1814 wurde sie wiederentdeckt, aber erst im Jahr 1835 brachten Europäer sie wieder ans Tageslicht. Ein Restaurierungsprogramm in der Zeit zwischen 1973 und 1984 brachte große Teile der Anlage wieder zu früherem Glanz.

Borobudur wurde 1991 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.

Insgesamt neun Stockwerke türmen sich auf der quadratischen Basis von 123 m Länge. An den Wänden der vier sich stufenartig verjüngenden Galerien befinden sich Flachreliefs in der Gesamtlänge von über fünf Kilometern, welche das Leben und Wirken Buddhas beschreiben. Darüber liegen drei sich konzentrisch verjüngende Terrassen mit insgesamt 72 Stupas, welche die Hauptstupa von fast 11 m Durchmesser umrahmen.

Das Datum der Erbauung

Bis heute ist die exakte Zeit der Erbauung des Borobudur im Dunklen geblieben, begründet durch das Fehlen von schriftlichen Beweisstücken. Experten schätzen ein angenähertes Fertigtellungsdatum anhand einer Inschrift auf der abgedeckten Basis des Borobudur-Tempels. Diese Sanskrit-Inschriften sind in der Schreibweise der Kawi verfasst. Nachdem diese Schriftzeichen mit anderen Inschriften aus Indonesien verglichen wurden, schätzen die Experten das Erstellungsdatum auf das Jahr 800.

Zentraljava wurde zu der Zeit von Königen der Sailendra-Dynastie regiert, die Anhänger des Mahayana-Buddhismus waren. Da der Borobudur ein Monument des Mahayana-Buddhismus ist, schlossen die Experten, dass er während der Regierungszeit dieser Könige erbaut wurde.

Der Borobudur in Vergessenheit

Über anderthalb Jahrhunderte war der Borobudur das geistliche Zentrum des Buddhismus in Java. Mit dem Fall des hinduistischen Königreiches Mataram im Jahr 919 und dem Wechsel der politischen und kulturellen Aktivitäten von Zentraljava nach Ostjava wurden göttliche Bauwerke, wie auch der Borobudur in Zentraljava vernachlässigt und dem Verfall preisgegeben. Das Heiligtum war vulkanischen Eruptionen und anderen Einflüssen der Natur ausgesetzt. Die Vegetation zerstörte die zum Monument gehörenden Steine, speziell die höher gelegenen Teile brachen zusammen, während andere Teile beschädigt wurden. Die Leute verloren das Interesse am Borobudur und er geriet in Vergessenheit.

Wiederentdeckung und Wiederherstellung

Seit seiner Entdeckung durch Thomas Stamford Raffles hat der Borobudur einige Restaurierungen über sich ergehen lassen. Die Beschädigungen, an denen er über Jahrhunderte gelitten hatte, waren schwer. Beispielsweise hatte im Jahr 1548 ein großes Erdbeben die Insel Java erschüttert und eventuell auch schwere Schäden am Monument, vielleicht auch den endgültigen Zusammenbruch der oberen Stupas, verursacht.

Bei seiner ersten Erwähnung in der Neuzeit, im Jahre 1709, wurde er nur als Borobudur-Hügel bezeichnet. Das gesamte Monument war mit Erde und Vegetation bedeckt und schien lediglich ein Hügel zu sein.

Die eigentliche Wiederentdeckung begann 1814, nachdem Raffles, der damalige englische Gouverneur Javas, auf seiner Reise nach Semarang einen Report erhalten hatte, demzufolge in der Gegend von Bumisegoro ein großes Monument existierte, welches Borobudur genannt wurde. Raffles wies den holländischen Ingenieur H.C. Cornellius an, eine Studie über die Lage anzufertigen. Der Bericht ist der erste ausführliche Beleg für die Existenz und den Zustand des Borobudur. Die Zeichnung von Cornellius ist ein wichtiges Dokument über den Zustand vor dem Beginn der Freilegungen und Restaurierungen. Sonst passierte offenbar zu jener Zeit nichts weiter. Im Jahre 1835 übernahm ein Bürger von Kedu mit Namen Hortman die Initiative und säuberte die Tempelumgebung, so dass schließlich ein Teil des Schreines sichtbar wurde.

1885 wurde das öffentliche Interesse wieder geweckt, als J. W. Ijzerman, ein holländischer Armeeingenieur, die verborgenen Reliefs von Mahakarmawibangga am Fuße des Tempels fand. Einige von ihnen waren nur noch in Umrissen erhalten – nach anderer Meinung sind sie nie fertiggestellt worden, weil der Bauplan geändert wurde und der Fuß mit einer weiteren Stützmauer verschlossen wurde. Experten machten erste Vorschläge, den Schrein zu restaurieren. Einer der Vorschläge war, die Reliefs in einem speziellen Museum sicherzustellen. Das Interesse nahm jedoch ab und der Borobudur war wieder in Gefahr, vergessen zu werden.

1896 präsentierten die holländischen Kolonialbehörden das Monument dem thailändischen König Chulalongkorn. Er erhielt, wie das zu dieser Zeit durchaus üblich war, als Geschenk fünf Buddhastatuen, zwei Löwen, eine Makara (Wasserspeier), einige Ornamente des Einganges, Teile der Treppenaufgänge und eine ungewöhnliche, große Gopala-Statue, die vom Dagi-Hügel in der Nähe des Borobudur stammte.

Im Jahre 1900 riefen die holländischen Autoritäten ein Komitee zur Restaurierung des Borobudur ins Leben. Ein Mitglied des Komitees schlug vor, ein großes Zinkdach auf 400 Eisensäulen über dem Tempel zu erbauen, um ihn vor der natürlichen Witterung zu schützen. Dieser Vorschlag wurde zurückgewiesen.

Im Jahre 1905 wurde endlich ein Plan für die wichtigsten Messungen zur Wiederherstellung und zum Schutze des Borobudur angenommen. Unter der Leitung des Archäologen Dr. Theodor van Erp begannen die Restaurierungsarbeiten. 1911 war der Borobudur in einem besseren Zustand, zahlreiche Stupas waren wiederhergestellt, die Mauern und Bodenplatten begradigt. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die großangelegte Freilegung des Monuments ohne gleichzeitige Sicherungsmaßnahmen ihm auf lange Sicht mehr geschadet als genutzt hat.

Im Jahre 1955 legte die indonesische Regierung einen neuen Plan zur Rettung des Borobudur und weiterer Tempelplätze der UNESCO (United Nations Educational and Scientific Commission) vor. Die Regierung von Indonesien brachte selbst einen Teil des benötigten Kapitals auf. Im Jahre 1971 hielt die UNESCO ihr erstes Treffen in Yogyakarta ab, um die Pläne zu diskutieren. 1973 startete der indonesische Staatspräsident offiziell die Restaurierungsmaßnahmen. Im Jahre 1983 schließlich, genau zehn Jahre später, waren die Arbeiten abgeschlossen und Borobudur der Öffentlichkeit wieder zugänglich.

Der Aufbau des Borobudur

Die Form

Querschnitt des Bauwerks

Grundriss

Der Borobudur wurde auf einem Hügel erbaut und hat die Form einer Stufenpyramide. Im Unterschied zu vielen anderen Heiligtümern hat der Borobudur weder einen klar gekennzeichneten Eingang noch einen Raum, um Besucher zu empfangen. Er hat eine massive Struktur (Bauweise?). Wenn die Menschen ihre religiösen Aufgaben erfüllen wollten, so geschah dies in der freien Luft auf dem Umgang des Monuments. Auf vier Seiten führen Fluchten von Stufen und Aufgängen zur Spitze der Stufenpyramide.

Von außen gesehen erinnert der Borobudur an einen gemauerten Hügel. Seine Struktur besteht aus einer Stufenpyramide aus sechs rechteckigen Ebenen, drei kreisförmigen Terrassen und einer zentralen, die Spitze bildenden Stupa. Der Borobudur ist voller buddhistischer Symbole und stellt die Nachbildung des Universums dar.

Gemäß der buddhistischen Kosmologie ist das Universum in drei Welten unterteilt: Ārūpyadhātu (Sanskrit; Pāli: Arūpaloka; Tib.: gzugs.med.pa’i khams), Rūpadhātu (Pāli: Rūpaloka; Tib: gzugs.kyi khams) und Kāmadhātu (Pāli: Kāmaloka; Tib: ‚dod.pa’i khams). Kamadhatu, die „unterste“ Welt, ist die Welt der Menschen, die „Sinnenwelt“. Rupadhatu ist die Übergangswelt, in der die Menschen von ihrer körperlichen Form und weltlichen Angelegenheiten erlöst werden, die „Feinkörperliche Welt“. Arupyadhatu schließlich, die Welt der Götter, ist die Welt der Perfektion und der Erleuchtung, die „Unkörperliche Welt“.

Die Architektur des Borobudur wurde in Übereinstimmung mit dieser Kosmologie gestaltet. Jeder Teil des Monuments ist einer anderen Welt gewidmet. Das Kamadhatu ist eine große rechteckige Wand außen am Fuß des Monuments. Über dieser Basis erhebt sich das Rupadhatu, das aus vier rechteckigen Terrassen mit Prozessionswegen besteht, die mit zahlreichen Statuen und 1300 szenischen und 1200 figurativen Reliefs dekoriert sind. Darüber erhebt sich das Arupadhatu, bestehend aus drei kreisförmigen Terrassen, in deren Zentrum sich eine große glockenförmige Kuppel erhebt. Gleich aus welcher Perspektive man das Bauwerk betrachtet – es ist immer schwierig, diese dreigliedrige Grundstruktur zu erkennen.

Das rechteckige Fundament ist verborgen, darauf erscheint die Stufenpyramide mit einer Kantenlänge von ca. 110 Meter. Der Tempel erinnert an einen massiven, runden Dom (Halle?) mit der sich emporstreckenden Stupa auf der Spitze. Das Monument erscheint wie eine ungeordnete Ansammlung aus endlosen Terrassen, Statuen und Nischen. Die Architektur des Tempels besticht dennoch durch unglaubliche Präzision und zeugt von immenser menschlicher Arbeit. 55.000 Kubikmeter Steine aus Andesit oder mehr als zwei Millionen Steinblöcke wurden vom Fluss Progo zur Baustätte geschafft. Die Felsen wurden zunächst am Fluss grob behauen, bevor sie von Elefanten und Pferden zum Monument gezogen wurden.

Kamadhatu

Die Reliefs auf der Basisebene, dem Kamadhatu, wurden mit einer Extrawand abgedeckt, bevor sie komplett fertiggestellt wurden. Es gibt zwei Theorien für diese zusätzliche Wand:

1. Die gesamte Struktur begann zu rutschen und brauchte eine Stütze.

2. Möglicherweise wurden die dargestellten Szenen später als zu freizügig empfunden.

Für Theorie 1 sprechen zwei Argumente: die imponierende Dicke der verbreiterten Basis (zum bloßen Abdecken der Reliefs wäre keine fünf Meter starke Lage an Steinen nötig geworden) und die Tatsache, dass als Spätfolge der Restaurierung von 1911 ebenfalls die Stabilität der ganzen Anlage gefährdet war.

Während der japanischen Besatzungszeit wurden Teile der Wand entfernt, welche Reliefs aus dem/der(?) Karmawibangga enthielten, einer alten tibetischen Abhandlung über gute und schlechte Taten und ihre Konsequenzen. Diese Teile der Reliefs befinden sich an der südöstlichen Seite. Bei der großen Restaurierung 1973-1983 wurden alle Reliefs vorübergehend freigelegt und dokumentiert. Fotos der Reliefs sind im Archäologischen Museum des Komplexes ausgestellt.

Rupadhatu

Das Rupadhatu beginnt mit der ersten Terrasse. Wenn wir uns nach links den Korridor herunterwenden, sehen wir auf den 120 Hauptreliefs das Leben des Buddha dargestellt, wie es in der Lalitavistara, einer Schrift aus dem Sanskrit, überliefert ist. Auf derselben Galerie beginnt ein weiterer Zyklus, der auf der zweiten und dritten Galerie fortgesetzt wird und in 720 Reliefs die Erzählungen der 500 früheren Existenzen Buddhas illustriert. Die Reliefs der zweiten bis vierten Galerie zeigen dazu parallel die Suche Sudhanas nach Weisheit und Erleuchtung (Gandhavyuha).

Arupadhatu

Wenn wir das Monument emporsteigen, die Geschichten lesend und die Terrassen erklimmend, werden wir sechs Tore passieren. Vor der endgültigen, obersten Ebene, dem Arupadhatu, müssen wir durch Doppeltore zwischen der dritten und der vierten Terrassenebene gehen. Diese werden die doppelten Tore von Nirwikala genannt. Nachdem wir diese Tore passiert haben, verlässt unser Körper die materielle Gestalt, die des Rupadhatu, und geht in den körperlosen Geist über, das Arupadhatu. Das Nirwikala ist das letzte Tor, das zu der höchsten endgültigen Stufe des Buddhismus führt. Das besterhaltene Tor wurde an der Seite des Bauwerks gefunden. Sobald wir das Arupadhatu betreten, haben wir ein befreites und offenes Gefühl, anders als in den eingegrenzten, rechteckig verlaufenden Korridoren der Terrassen weiter unten. Vor uns liegen nun drei kreisförmige Terrassen.

Auf den Terrassen sind 72 mit Gittersteinen aufgebaute Stupas geometrisch angeordnet (kleine stupenförmige Bauten), die jeweils Statuen des Buddha Vajrasatwa beinhalten. Die Philosophie, die hinter diesen eingesperrten Buddhas steht, ist komplex und noch nicht vollständig erforscht. Vielleicht stellen die gitterförmigen Strukturen eine siebförmige Grenze dar, die die Welt der Gegenständlichkeit von der Welt der Gegenstandslosigkeit abgrenzt. Zu beachten ist, dass die Löcher auf den ersten beiden Terrassen rautenförmig sind, die der obersten Terrasse aber quadratisch.

Buddha-Statuen

Im Rupadhatu befinden sich die Buddhastatuen in den Nischen der Balustraden auf den vier Terrassen. Auf der ersten Terrasse gibt es 104 Nischen, auf der zweiten ebenfalls 104, auf der dritten Terrasse 88, auf der vierten 72 und auf der fünften 64, so dass es sich ursprünglich um insgesamt 432 Statuen gehandelt hat.

Auf den drei oberen, kreisförmigen Terrassen, dem Arupadhatu, befinden sich Dhyani-Buddhas oder meditierende Buddhas in insgesamt 72 mit Gittersteinen aufgebauten, scheinbar perforierten Stupas, die in drei konzentrischen Kreisen auf je einer runden Terrasse angeordnet sind. Auf der ersten runden Terrasse befinden sich 32 Stupas, auf der zweiten 24 und auf der dritten 16 Statuen.

Es waren also ursprünglich auf dem gesamten Komplex insgesamt 504 Buddhastatuen vorhanden, davon sind heute etwa 300 verstümmelt − meist fehlt ihnen der Kopf − und 43 fehlen vollständig.

Auf den ersten Blick scheinen alle Buddha-Statuen gleich auszusehen, aber bei näherem Hinsehen unterscheiden sich die Statuen hauptsächlich durch die Haltung ihrer Hände (Mudra) voneinander. Die Statuen in den Nischen auf den ersten vier Balustraden zeigen verschiedene Mudras, auf jeder Seite des Monuments befinden sich Statuen mit der gleichen Handhaltung. Alle Statuen auf der fünften Balustrade jedoch haben alle die gleiche Handhaltung, ebenso wie die 72 Statuen auf den kreisförmigen Terrassen.

Es gibt also am Borobudur Buddha-Statuen mit insgesamt fünf verschiedenen Mudras, entsprechend dem Mahayana-Konzept der fünf Dhyani-Buddhas. Auch die fünf Himmelsrichtungen des Kompass (Ost, Nord, West, Süd und Zenit) finden hier ihre Entsprechung, dabei wird jede Himmelsrichtung von einem Buddha beschützt: Vairocana im Zenit, Akshobhya im Osten, Amoghasiddhi im Norden, Amitabha im Westen und Ratnasambhava im Süden. Jedem Buddha ist eine Mudra zugeordnet:

Amitabha-Buddha der Westseite

  • „Bhūmisparśa Mudrā“ des Buddha Akshobhya (Aksobhya) im östlichen Quadranten: seine linke Hand liegt mit der Handfläche nach oben im Schoß, mit seiner nach unten gewandten rechten Handfläche ruft er den Geist der Erde an, um seinen Sieg über die schlechten Geister sowie seine innere Stärke zu bezeugen.
  • „Abhaya Mudrā“ des Buddha Amoghasiddhi im nördlichen Quadranten: seine rechte emporgehobene Hand zeigt mit der Handfläche nach außen die Geste der Furchtlosigkeit.
  • „Dhyāna Mudrā“ des Buddha Amitabha im westlichen Quadranten: beide Hände liegen aufeinander, Handflächen nach oben im Schoß und zeigen so die Geste der Meditation.
  • „Varada Mudrā“ des Buddha Ratnasambhava im südlichen Quadranten: seine rechte Hand ruht auf dem rechten Knie, die offene Handfläche nach oben, und zeigt so die Geste der Wunschgewährung.
  • „Vitarka Mudrā“ des Buddha Vairocana auf der fünften Terrasse: die Geste der kreisförmig gebogenen Finger der rechten Hand zeigt, dass er Belehrungen mit einem ehrlichen und reinen Herzen vergibt (Geste der Unterweisung).

Bedeutung

Borobudur ist nicht nur ein einzigartiges religiöses Denkmal, sondern auch eine wichtige Quelle für Informationen zur javanischen Geschichte. Die dargestellten Personen, ihre Kleidung, Häuser, Wagen, Schiffe, Geräte, Instrumente, Tänze etc. zeigen das höfische und bäuerliche Leben im Java des 9. Jahrhundert, wie es sonst nirgends dokumentiert ist.

Das auf dem Gelände des Komplexes befindliche Archäologische Museum bewahrt zahlreiche bei der Restaurierung 1973-1983 ausgetauschte Originalsteine und -Buddhas auf. Außerdem wird ausführlich über die Restaurierungsmaßnahmen berichtet.

Quelle: Wikipedia

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